Digitale Tools für den Deutschunterricht

In unserer Serie Digitale Tools für den Unterricht (Im letzten Artikel haben wir Tools für Physik vorgestellt) nehmen wir heute das Fach Deutsch genauer unter die Lupe. Der Deutschunterricht ist vielfältig und so auch der mögliche Einsatz von digitalen Tools. Im folgenden Artikel stellen wir eine Auswahl an Tools und deren Einsatzmöglichkeiten vor.

Lernumgebungen

Lernumgebungen eignen sich sehr gut für den Einsatz während des (Distanz-)Unterrichts und für das Lernen zu Hause. Schüler*innen können im eigenen Tempo an Themen arbeiten. Eine Differenzierung innerhalb von Lerngruppen ist damit möglich. Darüber hinaus können Lehrkräfte meist die Fortschritte der Lernenden verfolgen und diese Erkenntnisse für den weiteren Unterricht nutzen. Durch die Überführung des Lernens in den digitalen Raum und den teilweise spielerischen Ansätzen innerhalb der Tools werden Lernende zusätzlich motiviert, sich an den Aufgaben zu probieren.

Anton ist eine der bekanntesten Lernumgebungen, die Übungsaufgaben für individuelles Lernen anbietet. Schüler*innen der 1. bis 10. Klasse können mithilfe des Tools ihre Kompetenzen in Rechtschreibung, Grammatik sowie Literatur und Sprache erweitern. Nach erfolgreichem Abschluss der Lektionen erhalten die Lernenden als Belohnung Zugang zu kleinen Spielen. Dabei überzeugt Anton vor allem mit einem übersichtlichen Design ohne Ablenkung. Das Tool gibt es neben der kostenlosen auch in einer kostenpflichten Variante, bei der Lehrkräfte Aufgabenpakete individuell zuteilen und auf einem Dashboard Lernfortschritte einsehen können.

Scoyo ist eine Lernumgebung, innerhalb derer Lernende der 1. bis 7. Klasse spielerisch Fachinhalte lernen und üben können. Die Themen reichen von Rechtschreibung über Grammatik bis hin zur Schreibkompetenz. Zentraler Bestandteil sind Lernvideos, in denen in Form von Geschichten Inhalte erklärt werden. Zu diesen Videos werden Aufgaben gestellt, die das Verständnis prüfen und stärken. Die Lernumgebung kann im Browser ausgeführt werden, wofür eine Internetverbindung notwendig ist. Für das Tool muss individuell oder als Schule eine Lizenz erworben werden. Die Anwendung ist jederzeit werbefrei.

Sofatutor ist eine Lernumgebung, die Videos zur Wissensvermittlung, Übungsaufgaben zur Onlinenutzung, Arbeitsblätter zum Download sowie einen Nachhilfechat mit Lehrkräften zum individuellen Lernen anbietet. Das Tool bietet Schüler*innen der 1. bis 13. Klasse Lerninhalte in den Bereichen Lesen, Schreiben, Sprechen sowie Methoden. Lehrkräfte können sich jederzeit kostenlos anmelden und nach einer Überprüfung die Inhalte von Sofatutor einsehen. Sollen entsprechende Materialien auch mit den Lernenden geteilt werden, ist nach 14 Tagen eine kostenpflichtige Lizenz für die Schüler*innen erforderlich.

Texte im Deutschunterricht

Der Umgang und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Texten ist selbstverständlicher Bestandteil des (Deutsch-)Unterrichts. Schüler*innen werden im Laufe ihrer Schullaufbahn gestärkt, Texte zu verstehen und zu erschließen oder selbst welche zu verfassen. Verschiedene Tools eignen sich, um diesen Prozess in den digitalen Raum zu überführen und die damit verbundenen Vorteile zu nutzen. Um vorhandene Texte in der Klasse kooperativ und interaktiv zu analysieren, eignen sich Tools, mit denen digital annotiert werden kann.

Mit LiquidText können Texte digital gelesen und bearbeitet werden. Das Tool bietet dafür verschiedene Funktionen: Wichtige Textstellen können markiert oder kommentiert werden, Ausschnitte können zu einem digitalen Exzerpt zusammengefasst und mit weiteren Dokumenten verknüpft werden. Das Tool steht für den Apple App Store sowie den Windows 10 Store zur Verfügung. Grundlegende Funktionen können in der kostenfreien Version verwendet werden, für den vollständigen Funktionsumfang ist die Pro-Version erforderlich, die mit 32,99€ zu Buche schlägt.

Screenshot aus dem LiquidText-Programm
Mit LiquidText können Texte markiert, kommentiert und bearbeitet werden.

Auch die Erstellung eigener Schriften, seien es Analysen, Kommentare oder kreative Textsorten, findet sich an zahlreichen Stellen im Unterricht wieder. Grundsätzlich kann das analog auf dem Papier durchgeführt werden, das Schreiben der Texte im digitalen Raum hat jedoch einige Vorteile. So bieten verschiedene Office Programme Kommentarfunktionen und eine Änderungsnachverfolgung. Damit kann kooperatives Arbeiten an Texten inklusive Peer-Feedback einfach realisiert werden, ohne dass der Text mehrfach neu geschrieben werden muss. Auch die Überführung der Texte in eine Sammlung ist so leichter möglich.

Die Programme von Microsoft Office, unter anderem Word und PowerPoint, sind vermutlich allen bekannt. Dank zahlreicher Funktionen bieten sich die Verwendung der Tools an verschiedenen Stellen im Unterricht an. Alternativ zu den genannten Optionen von Microsoft gibt es die Programme in ähnlicher Form auch von OpenOffice oder LibreOffice. Einen ausführlichen Artikel über Alternativen zu den gängigen Programmen von Microsoft und Co findet ihr hier.

Lesen

Lesen fördert den Erwerb eines umfangreichen Sprachwortschatzes, stärkt die Konzentrationsfähigkeit und regt die Fantasie durch spannende Geschichten an. In der Grundschule ist der Erwerb der Lesekompetenz ein wichtiger Bestandteil des Lernens und auch in den folgenden Schuljahren bleibt das Lesen eine essentielle Grundkompetenz. Egal, ob den Schüler*innen Geschichten vorgelesen werden oder sie selbst Bücher lesen, digitale Tools können Unterstützungen bieten. Mit dem Angebot unterschiedlicher Geschichten bieten sie Grundlage für spannende und motivierende Momente im Leseunterricht.

Onilo ist eine Materialressource, die interaktive Kinderbücher zum Lesen und Lesenlernen bietet. Die sogenannten Boardstories sind mit Videos und Fotos angereichert und erlauben Sprach- und Leseförderung sowie individuelle Förderung, da unter anderem die Lesegeschwindigkeit angepasst werden kann. Es stehen über 180 Kinderbücher von unterschiedlichen Verlagen zur Verfügung. Das Angebot ist kostenpflichtig, eine Lizenz kann individuell oder als Schule erworben werden. Die Bücher werden im Browser betrachtet, dafür ist eine Internetverbindung notwendig. Weitere Geschichten zum Vorlesen, auch schon vor der Schulzeit, gibt es auch auf der Website Einfachvorlesen.

Leseludi ist ein Tool für das individuelle Lesetraining in der Grundschule. Das Programm richtet sich an Lernende, die bereits die Buchstaben erlernt haben und diese zu Wörtern verbinden können. Lehrkräfte weisen individuelle Leseaufgaben zu und können im Anschluss den Fortschritt verfolgen. Durch ein Punktesystem und eine optisch ansprechende Oberfläche werden die Lernenden zusätzlich motiviert. Das Tool ist nach einer 14-tägigen Testphase kostenpflichtig. Es können Individual-, Klassen- und Schullizenzen erworben werden.

Bücher sind nicht nur in der Grundschule ein wichtiges Thema, sondern begleiten Lernende und auch Lehrende ein Leben lang. Manchmal möchte man aber das Buch nicht selbst lesen oder es fehlt die Zeit zum Lesen. Dafür gibt es mit Audible eine gute Alternative: Bücher hören statt lesen. Das Angebot von Amazon umfasst eine Vielzahl an Büchern, Hörspielen sowie Podcasts verschiedener Genres. Der erste Monat ist kostenfrei, danach kostet ein Abo 9,95€ pro Monat.

Kreativer Deutschunterricht

Im Deutschunterricht geht es längst nicht mehr nur um das Pauken von Rechtschreib- oder Grammatikregeln. Vielmehr steht der Umgang mit Sprache in ihren diversen Kontexten im Vordergrund. Dafür bieten sich Methoden und Projekte an, die den Schüler*innen Freiraum für die eigene Kreativität geben. Schüler*innen können z.B. in einem Podcast oder einem (Erklär)Video passende Inhalte thematisieren. Wie so ein (Erklär)Video erstellt werden kann? In diesem Artikel zeigen wir, wie (Erklär)Videos umgesetzt werden können.

Alternativ können eigene (elektronische) Bücher erstellt werden. Tools können bei der Erstellung behilflich sein. Dabei sollten Lehrkräfte immer bedenken, dass ausreichend Zeit für die Einarbeitung in die Anwendungen eingeplant wird.

Book Creator ist ein Organisationstool, mit welchem sich eBooks erstellen lassen. Das Tool bietet einen Baukasten zur Erstellung von eBooks, die anschließend auch veröffentlicht werden können. Es lassen sich grafische Elemente wie Bilder und Sticker, aber auch Karten oder YouTube Videos einbinden. Das vollständige Angebot ist kostenpflichtig. Dank der intuitiven Nutzung können Lernende auch selbstständig in der Anwendung arbeiten. Eine Lizenz muss dabei von der Schule erworben werden, eine Internetverbindung ist notwendig.

StoryBird ist ein kollaboratives Tool, das sich auf das visuelle Geschichtenschreiben fokussiert. Mit einem umfangreichen Set an Bildern können der kreative Schreibprozess angeregt oder geschriebene Geschichten illustriert werden. Dadurch lassen sich Texte auf verschiedene Arten und Weisen erzählen – egal, ob es sich um Kurzgeschichten, Comics oder lange Kapitelbücher handelt. Zusätzlich bietet das Tool mehr als 600 Lektionen, Quizfragen und Schreibanregungen, erstellt von Pädagogen und Fachautoren, zur weiterführenden Auseinandersetzung mit der Schreibkompetenz. Allerdings ist StoryBird bisher nur in der englischen Sprache erhältlich.

Deutsch als Zweitsprache

Deutschunterricht bedeutet für die meisten Schüler*innen den Umgang mit der eigenen Muttersprache. Für einige Lernende ist Deutsch allerdings eine Zweitsprache. Unter anderem junge Geflüchtete stehen vor der Herausforderung, dass fast der komplette Unterricht in einer für sie unbekannten Sprache stattfindet. Somit ist die gezielte, individuelle Sprachförderung im Deutschunterricht für diese Schüler*innen unerlässlich, damit sie erfolgreich am Unterricht teilnehmen können.

Für Deutsch als Zweitsprache in der Grundschule bietet Lernrudi eine Ergänzung zu analogen DaZ-Materialien. Das Online-Angebot verspricht auf den jeweiligen Lernstand angepasste Aufgaben und individualisierte Förderung mit dem Löwen Rudi. Lehrkräfte können die Lernfortschritte einsehen und Lernstandserhebungen vornehmen. Außerdem bietet das Tool eine Sprachausgabe von Wörtern, Wortgruppen oder Texten, sodass Lernende die Aussprache hören und nachahmen können. Für das Tool muss eine kostenpflichtige Lizenz erworben werden, zuvor können die Funktionen kostenfrei getestet werden.

Screenshot von Leseludi für den Deutschunterricht
Bei Leseludi lernen DaZ-Schüler*innen in ihrem eigenen Tempo und auf dem eigenen Anforderungsniveau.

Unabhängig vom Alter der Schüler*innen können auch Vokabelapps das Lernen der deutschen Sprache unterstützen. Mit diesen Tools ist das Lernen jederzeit und überall möglich, da die Sprach-Apps meistens auf dem Smartphone oder Tablet genutzt werden. Durch eine ansprechende Oberfläche und Gamification-Ansätze, unter anderem das Sammeln von Sprachpokalen, werden Lernende zusätzlich motiviert. Tägliche Erinnerungen und kurze Lernsequenzen helfen, dabei zu bleiben.

Beispiele für Tools zum Vokabellernen sind Duolingo, Drops und Babbel. Alle Lernumgebungen sind ähnlich aufgebaut: Die Anwendungen sind optisch ansprechend und bunt gestaltet, für die Vokabelübungen wird mit Icons, Puzzles und weiteren spielerischen Ansätzen gearbeitet. Während bei Duolingo der volle Funktionsumfang bereits in der kostenfreien Version verfügbar ist (allerdings nur mit Werbung und Internetverbindung), sind bei Drops lediglich 5 Minuten am Tag kostenlos möglich. Babbel bietet nur eine kostenpflichtige Version. Die Tools sind prinzipiell nicht auf den Einsatz im Unterricht zugeschnitten, allerdings bietet Duolingo eine Option speziell für die Schule.

Deutschunterricht kann mit den entsprechenden digitalen Tools abwechslungsreicher gestaltet werden und es bieten sich Potentiale für kreative Unterrichtsinhalte. Einige Beispiele haben wir in diesem Artikel vorgestellt. Darüber hinaus finden sich hier auf unserer Tool-Seite eine große Zahl an weiteren Apps, die sich für die Verknüpfung mit dem Deutschunterricht eignen.

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